Mein erstes Problem mit Alice (ca. 350 Tagen nach dem Schalten des Anschlusses)

Aus Sicherheits- und Umweltgründen schalten wir unseren Router und DSL-Modem immer aus, wenn wir kein Internet benötigen (z.B. in der Nacht oder während wir bei der Arbeit sind).

Letzten Montag trat folgendes Problem auf. Nachdem Tanja den Router aus- und nach einiger Zeit wieder eingeschaltet hatte, war kein Internetzugriff mehr möglich. Abends schaute ich mir das Problem an. DSL Sync war vorhanden. Der Router sendete PPPoE PADI-Pakete raus, bekam aber keine PADO-Pakete zurück. Mein Verdacht viel zunächst auf einen möglichen Defekt des Routers. Also holte ich aus dem Keller den original Alice-Router 1111. Mit diesem funktionierte der Internetzugriff ohne Probleme.

Ich beschloss den Alice-Router vor meinen Asus WL-500g (mit OpenWRT) zu setzen. Dazu schaltete ich den Alice-Router aus, baute die Verkabelung und die Konfiguration des Asus-Routers um und schaltete danach den Alice-Router wieder ein. Siehe da, plötzlich war auch über den Alice-Router keine Verbindung mehr möglich. Das Symptom war das gleiche: PADI raus, kein PADO rein.

Nach dem Abendessen wollte ich das Problem weiter analysieren. Plötzlich hatte ich wieder eine Internetverbindung. Ich schaltete den Router aus und wieder an, und die Verbindung war wieder weg.

Nächster Test: Ich schloss mein DSL-Modem direkt an ein Windows-7 Notebook an und konfigurierte eine Breitbandverbindung. Der Internetzugriff funktionierte hier ohne Probleme.

Gegen 22:00h rief ich bei der Alice-Hotline an. Nach mehreren Minuten in der Warteschleife wurde mein Anruf entgegengenommen. Nach kurzer Erklärung meines Problems wurde ich an die Technik durchgestellt. Leider musste ich auch hier in der Warteschleife warten. Nach ca. 15 Minuten legte ich auf.

Am nächsten Morgen (Dienstag) rief ich gegen 5:30h wieder bei der Hotline an. Wieder erzählte ich mein Problem und wieder wurde ich verbunden. Dieses Mal mit nur wenigen Minuten Wartezeit. Erste Diagnose des Supports war, dass es mit meinem alten Modem nicht funktionieren könne. Ich erklärte nochmals, dass das Problem auch mit dem Alice Modem/Router auftritt. Daraufhin konfigurierte die freundliche Dame meinen Anschluss vom 16MBit/s-Profil auf das 12MBit/s-Profil. Nun sollte ich versuchen die Verbindung erneut aufzubauen. Es funktionierte.

Das Gespräch war beendet und ich schaltete meinen Router wieder aus und an. Gleiches Problem. Nächster Anruf bei der Hotline. Der nächste Techniker wollte eine Messung der Leitung vornehmen. Dazu musste ich allerdings via Handy anrufen, da der Splitter zur Messung abgezogen werden musste. Ärgerlich, denn der Support-Anruf mittels Handy war richtig teuer. Ergeben hatte die Messung nichts. Mir wurde gesagt, dass sich ein Techniker bei mir melden wird. Nachmittags gegen 16:00h bekam ich tatsächlich den Techniker-Anruf. Ich beschrieb wieder mein Problem. Der Techniker meinte, dass es einen Chargen-Fehler beim Netzteil des 1111-Routers gäbe. Um dies zu erkennen müsste ich aber die Seriennummer des Netzteils mitteilen. Das war etwas schwer, denn ich war noch bei der Arbeit. Weiterhin wurde mein Profil nochmals nach unten korrigiert.

Am Abend war ich davon besessen, das Problem weiter zu analysieren. Wie war es möglich, dass mit Windows-7 und Modem der Zugang immer funktioniert? Warum funktionierte es mit dem Router und nach Aus- und wieder Einschalten nicht mehr? Und warum funktionierte es mit dem Router nach einiger Zeit wieder bis zum nächsten Aus- und Einschalten?

Mit tcpdump und wireshark schaute ich mir die Pakete an. Windows sendet PADI-Pakete mit der Unique-ID 0x01, der Alice-Router ebenfalls. Der Asus-Router sendet die PADI-Pakete mit einer zufälligen Unique-ID. Somit kann es an der Unique-ID eigentlich nicht liegen. Worin liegt der Unterschied in den Paketen. Ich überlegte und kam auf die Idee, dass sich nur noch die MAC-Adresse unterscheidet. Ich änderte auf dem Asus-Router die MAC-Adresse und der Internetzugriff funktionierte. Nochmals schaltete ich den Router aus und wieder ein. Der Internetzugriff war wieder weg. Wieder änderte ich die MAC-Adresse, der Internetzugriff funktionierte wieder. Ich baute das folgende Init-Script in den Bootvorgang des Routers ein, um beim Start das letzte Byte der MAC-Adresse zu würfeln.

#!/bin/sh

A=`dd if=/dev/urandom bs=1 count=20|md5sum|cut -b 1,2`
echo $A
ifconfig eth0 hw ether 00:15:F2:6A:DE:$A || true
exit 0

Dies löste mein akutes Problem.

Mittwoch: Der nächste Anruf bei der Hotline. Sie Seriennummer meines Netzteils fiel zwar in die betroffene Charge, allerdings sollte nun doch nicht mehr getauscht werden, da das Problem ja auch mit meine Fremd-Modem auftrat. Stattdessen sagte man mir, dass sich ein Techniker wieder melden würde. Das war dann am Nachmittag auch der Fall. Ich beschrieb das Problem erneut. Seine Aussage war wieder, dass das Modem in die defekte Charge fällt und getauscht werden muss. Auf das Tauschgerät warte ich noch heute (Freitag). Weiterhin meinte er, dass wen das neue Modem das Problem nicht löst, ich mich wieder melden soll.

Mich beschäftigte die Frage, was der Grund für dieses Verhalten ist und ob andere User davon betroffen waren. Als möglichen Grund kam mit ein falsch konfiguriertes „PPPoE Session Throttling“ in den Sinn, wie es z.B. in Cisco-Routern möglich ist.

Es stellte sich sogar heraus, dass einer meiner Kollegen ebenfalls betroffen war, er hatte das Problem nur bislang ignoriert.

Ich starte einen Thread im Forum HanseNet User Forum. Und bekam irgendwann diese Antwort:

Es gibt da ne Sache mit DSLAMS von naaa...natürlich Siemens. Die haben auf einigen Geräten nen Firmwarefehler, der nach einem Stromreset bei Routern die Einwahl für 2 Stunden unterbindet, während BBVs noch funktionieren.

Ist in Klärung, aber nicht ganz klar, wie schnell das korrigiert werden kann.

Ich fragte mittels PM den Ersteller, ob er HanseNet-Mitarbeiter ist bekam schließlich diese Antwort:

Das ist ja kein Geheimnis, zumindest wir in der Technik haben dazu ne Rundmail erhalten.

Fehler in der Firmware von Siemens DSLAMs sind nicht eben ne Neuigkeit. Auch die Modems, die wir aktuell von denen haben, sind ziemlich schlecht konstruiert, die fallen zu nem erheblichen Teil bereits unter einem Jahr aus. Von denen würde ich als Endverbraucher nichtmal Brot kaufen

Die Geschichte mit den Siemens Ethernet DSLAMs ist noch nicht allzulange klar und muss seitens Siemens selbst behoben werden.
Dazu kommt, dass nicht alle betroffen sind, sondern nur einige, wir aber aktuell nicht die Möglichkeit haben nachzusehen. ob einer speziell betroffen ist oder nicht.

Klingt bei dir aber ziemlich danach.

Nun war also klar, dass es sich hier um ein Problem bei Alice/HanseNet handelte, das überhaupt nichts mit meinem Modem bzw. Router oder der Leitung zu tun hat. Nur gelöst war das Problem damit auch nicht und wann das Problem gelöst wird steht in den Sternen.

Zur Gegenprobe bat ich noch meinen Kollegen einen Blick in seine Fritzbox zu werden, da diese Informationen zum DSLAM anzeigt.

Screenshot

Tatsächlich ist die Gegenstelle von Infineon (aka Siemens). Die Aussage des HanseNet-Mitarbeiters ist also sehr plausibel.

Ich könnte nun den Anbieter wechseln. Das ist mit der einmonatigen Kündigungsfrist bei Alice kein weiteres Problem. Aber welcher Anbieter kommt in Frage? Die DTAG liefert mir max. 2MBit/s mit ADSL. VDSL ist mir zu teuer. Kabel-BW hat einen ähnlich schlechten Support wie Alice und glänzt auch nicht durch hohe Verfügbarkeit. 1&1 kommt für mich überhaupt nicht in Frage, da ich mindestens zwei Fälle kenne, bei denen es heftige Probleme mit 1&1 gab. Bliebe noch Vodafone.

Stand heute, werde ich zunächst bei Alice bleiben, denn die Kündigungsfrist und 8MBit/s sind gute Argumente.

Weiterhin habe ich bemerkt, dass ich fast schon Internet-süchtig bin. Denn der Gedanke keinen Internetzugang zu haben macht mich richtig kribbelig. Daher habe ich mir als Notlösung einen Fonic-Surfstick bestellt. Diese Maßnahme fand sogar Tanja gut, denn das Internet ist für uns eine wichtige Informationsquelle, was schon beim Telefonbuch und ähnlichen Dingen anfängt.